Eine Welt der inneren Erhebung und Erfüllung, von Annett Paul
Eine Welt der inneren Erhebung und Erfüllung, von Annett Paul
So wurde ich Schülerin von Sri Chinmoy. Obwohl es nun schon 18 Jahre her ist, erinnere ich mich noch in allen Einzelheiten an den Tag, mit dem alles begann. Damals lebte ich noch in Halle an der Saale, einer kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt. An einem Samstagabend im Sommer fuhr ich vom Baden nach Hause zurück und unterwegs kam mir der Gedanke, noch schnell bei einem Bekannten, der Bildhauer war, vorbei zu schauen.
Als ich seinen Garten betrat, kam gerade eine Gruppe von Frauen heraus. Mein Bekannter erzählte mir, dass sie aus Nürnberg kämen und bei ihm einen Meditationskurs abhielten – immer am Samstag Nachmittag. Aha, dachte ich mir, das interessiert dich doch. In dieser Zeit war in mir durch einige wichtige Bücher nämlich ein großer Hunger nach Spiritualität erwacht. Also ging ich nach einer Woche wieder hin.
Leider waren diesmal nicht dieselben Frauen da, deren fröhliches Lachen mir in Erinnerung geblieben war. Es war ein Herr, der den Kurs leitete. Nun war die Gruppe allerdings schon so fortgeschritten, dass sie bereits so meditierten, wie es in den Sri-Chinmoy-Zentren üblich ist. Und da kam ich nicht mit. Schließlich hatte ich noch nie bewusst meditiert und auch keine Einführung erhalten.
Dann sah ich mir die Bücher von Sri Chinmoy an, die zum Verkauf auslagen, sah sein Lachen auf dem Buch “Glücklichsein” und dachte mir nur: ach, keiner kann immer nur glücklich sein. Das ist bestimmt nichts echtes, eine Sekte wahrscheinlich. Und irgendwie war die Sache für mich erledigt.
Allerdings knüpfte ich den Kontakt zu dem Herrn, weil ich nämlich nach Nürnberg umziehen wollte, um dort zu studieren. Vielleicht konnte ich ja für ihn arbeiten und Geld verdienen. Bis dahin war noch ein bisschen Zeit, ich meditierte immer mal ein bisschen nach irgendwelchen Anleitungen und bereitete mich sonst auf die neue Zeit in Nürnberg vor. Die führte mich nämlich in die Welt der Anthroposophen. Wer nicht weiß, was das ist: die Anthroposophie ist eine Geisteswissenschaft, die von Rudolf Steiner begründet wurde und viele Lebensbereiche wie Pädagogik, Landwirtschaft, Kunst u.a. wesentlich beeinflusst hat. Die Waldorfschulen sind die bekanntesten Zweige davon.
Ich wollte Eurythmie studieren, eine Art Tanzkunst, die Musik und Sprache durch Bewegung sichtbar macht. Sie ist sehr durchgeistigt und ganz aus der Anthroposophie geboren. Eine recht komplizierte, aber wunderschöne Angelegenheit. Und so dachte ich, dass ich hier genug Geistigkeit hätte. Da bräuchte ich eigentlich nicht viel anderes. Aber wie das Leben so spielt, kommt eins zum andern und auf einmal tun sich Tore auf, die man vorher nicht sah. Der Herr, der den Kurs geleitet hatte, lud mich irgendwann ein, mit ihm auf eine Esoterikmesse zu kommen, um ihm bei seinem Messestand zu helfen. Da ich so etwas noch nie erlebt hatte, willigte ich gerne ein. Mit 21 Jahren ist man ja sowieso für die ganze Welt offen. Auf der Autofahrt hatte ich endlos viel Gelegenheit, um Fragen zu stellen. Auf der Messe hörte ich dann eine Kassette mit Musik, welche die Singgruppe des Nürnberger Sri- Chinmoy-Zentrums aufgenommen hatte. Die ging mir so ins Herz, auch wenn die Noten nicht immer stimmten… Diese Musik musste ich einfach haben und ich bekam sie geschenkt. Die Kassette habe ich immer noch und wenn ich sie höre, steigen all die schönen Erinnerungen wieder auf… All das spielte sich übrigens im Jahr 1990 ab, ein Jahr nach der Wende in der DDR, die so vieles ins Rollen gebracht hat.
Als wir abends wieder nach Nürnberg zurückkehrten, war ich von allem schon so überflutet, dass nur noch ein kleiner Anstoß fehlte, um zu fühlen, dass ich dahin gehörte, wo der nette Herr schon war. Beim Abschied schenkte er mir das Meditationsbuch von Sri Chinmoy und sagte: “Du könntest Disciple sein, bei deiner Ausstrahlung…”
Ich ging in die Wohnung, setzte mich aufs Bett und weinte vor lauter Dankbarkeit und Glück. In diesem Moment wurde ich Disciple, Schülerin von Sri Chinmoy. Da hat er mich schon in sein Boot einsteigen lassen.
Wie es dann weiterging? Ich fragte nach dem Meditationskurs und ging dann ins Sri-Chinmoy-Zentrum. Das einzige, was ich wusste, war, dass ich nichts Besonderes erwarten sollte. Das war auch gut so, denn ich erlebte nichts Besonderes. Aber ich freute mich ja so, dorthin zu gehen. Irgendwann gab ich dann mal mein Foto ab, aber ich wusste schon, dass es nichts anderes geben konnte, als dass mich Sri Chinmoy als Schülerin annahm. Was hätte ich denn sonst tun sollen?
Was bleibt mir jetzt noch zu sagen?
Dankbarkeit ist das einzige Wort. Ja, ich bin dankbar, dass sich mein Leben in diese Richtung bewegt hat, dass ich einen solch großartigen Meister und Freund gefunden habe, der nie aufhört mich zu inspirieren und mir die Lasten meines Lebens zu erleichtern. Es ist ein kostbares Geschenk und ich bin glücklich, dass ich an dieser schönen, heiteren Familie der Schüler Sri Chinmoys teilhaben darf.
Sri Chinmoy findet man nur über das Herz. Und wenn man nur ein bisschen empfänglich ist, dann fühlt man zutiefst, was er für einen tun kann, selbst wenn man nicht für seinen Weg bestimmt ist. Was er gibt, ist so universell, so allumfassend und leuchtend, dass jeder einen Vorteil daraus ziehen kann. Seine Musik, seine Bücher, seine Bilder sind Tore, durch die jeder in eine Welt der inneren Erhebung und Erfüllung gelangen kann. Ein offenes Herz und ein suchender Verstand sind die einzigen Voraussetzungen.
Annett Paul, 21.10.2008
