Mein Leben hat sich komplett verändert, von Silke Aich aus Wien
Es ist eine recht lange Geschichte, wie ich überhaupt Schülerin von Sri Chinmoy geworden bin. Viele Jahre war ich auf der Suche, ohne wirklich zu wissen, nach was ich eigentlich suchte. Mein Beruf erfüllte mich in keinster Weise, obwohl ich in einem richtig schönen Architekturbüro arbeitete, die nettesten Kollegen hatte, die man sich vorstellen kann und sich alles wie in einer kleinen Familie angefühlt hat. Daher entschied ich mich nebenberuflich Astrologie zu studieren, um mir für die Zukunft ein zweites Standbein schaffen zu können. Dort lernte ich viele nette, interessante Leute kennen und dadurch kamen auch viele den Horizont erweiternde Bücher zu mir.

Eines jener Bücher sprach mich besonders an; es hatte die Botschaft "Folge den Zeichen, lebe deine Träume – und zwar hier und jetzt!" Ich wusste nur zu gut, dass ich etwas ändern musste in meinem Leben. Mit dem nötigen Urvertrauen – keine Ahnung, wo das plötzlich herkam – kündigte ich meine Arbeitsstelle, ohne zu wissen wie es beruflich weitergeht, und kündigte auch gleichzeitig meine Wohnung. Je mehr Freunden ich das erzählte, desto mehr Ideen wurden auch an mich heran getragen. Schließlich flackerte ein Traum wieder auf: den ganzen Sommer auf einer Berghütte zu arbeiten. Ein Jahr zuvor war ich auf einem Höhenwanderweg unterwegs, saß da abends in idyllischer Bergruhe vor der Hütte mit Bilderbuchpanorama und dachte: "Hier zu arbeiten wäre echt ein Traum – aber das geht ja alles nicht!"
Es war alles im Fluss und somit kam "meine" Berghütte auch ganz schnell zu mir. Mein 30. Geburtstag entpuppte sich als Abschiedsfest aus der Heimat und los ging es ins Stubaital, auf 2198 m über dem Meeresspiegel, mit dem Gletscher vor der Haustür und dem schönsten Panoramablick über das gesamte Tal. Ich liebte es in der Natur zu arbeiten, hatte nette Chefs und Kollegen und obendrein sehr freundliche Gäste. Obwohl das Ganze schon anstrengend war mit zwölf bis dreizehn Stunden Arbeit und einer 7-Tage-Woche. Trotzdem erlebte ich den schönsten Sommer meines Lebens. Nachdem sich die Saison ihrem Ende näherte, fragte mich meine Zimmerkollegin, ob ich nicht Lust hätte ein paar Tage mit nach Wien zu kommen. Sie selbst würde eine Aufnahmeprüfung für ein Studium machen und ich könne Urlaub machen und die Stadt genießen. Wir könnten umsonst bei ihrer Cousine wohnen. Da ich sowieso nicht wusste was als nächstes kommen würde, sagte ich ganz spontan zu und folgte einfach den Zeichen.
In Wien hatte ich sofort ein ganz vertrautes Gefühl, es war wie ein "heim kommen". Die Cousine mit samt ihrer Familie schloss mich sofort ins Herz und wir fühlten uns gleich wie uralte Freunde. Als schließlich die Zeit des Abschieds näher rückte, fragten sie, ob ich nicht in Wien bleiben wollte. Es wäre so leicht hier einen Job und eine Arbeit zu finden. Diese Idee inspirierte mich sehr. Schon am nächsten Tag war mir eine Anzeige begegnet, die beides kombinierte: Haushalt mit Kinderbetreuung für umsonst wohnen. Ich rief an, hatte am nächsten Tag ein Vorstellungsgespräch und war vom Fleck weg engagiert. So holte ich nur noch die nötigen Utensilien von zuhause und ließ mich in Wien nieder. Ungefähr zwei bis drei Wochen später lud mich meine Hüttenkollegin zu einem indischen Festival am Samstag in einem Meditationszentrum ein, aber ich wollte zuhause bleiben und sagte ihr ab. Sonntag abend fiel mir dann aber doch die Decke auf den Kopf und ich ging in die Stadt. Auf dem Heimweg entdeckte ich genau dieses Plakat von jenem indischen Festival und zu meinem größten Erstaunen sah ich, dass am Montag abend Geschichten über Yogis und Meister vorgetragen werden würden. Das erinnerte mich so an meine Kindheit – Geschichten von der Tante lauschen ..., da musste ich einfach hin, unbedingt!
Es war ein wundervoller Abend. All diese inspirierenden Geschichten, besonders die von dem Tiger-Baby, das in einer Schafherde aufwuchs, zeitlebens dachte, es sei ein Schaf, bis ein anderer Tiger kam und ihn zum Wasser mitschleppte um ihm zu zeigen, dass er auch ein Tiger war!
Die Schüler von Sri Chinmoy, die das Ganze veranstaltet hatten, waren extrem nett und aufmerksam. Manchmal besucht man Veranstaltungen und hat das Gefühl, das es gar nicht aufgefallen wäre, ob man jetzt da war oder nicht, aber hier war es ganz das Gegenteil. Sie hatten Einladungen auf den Sesseln verteilt für einen kostenlosen Meditationskurs. Ich dachte sofort: "Oje, Meditation, das ist nichts für mich! Aber vielleicht habe ich dadurch die Gelegenheit ein paar neue Leute kennen zu lernen."
Zuvor hatte ich nämlich einen Meditationskurs der Richtung tibetischer Buddhismus besucht, aber es hatte sich nicht sonderlich stimmig angefühlt.
Mit großer Freude und einem tiefen Gefühl inneren Erfülltseins besuchte ich jeden einzelnen Abend dieses Kurses. Ein Foto von Sri Chinmoy liebte ich besonders, wo Er in seinem großen Sessel saß mit dem allerschönsten Lächeln, das ich jemals gesehen hatte. Immerzu musste ich dieses Bild anlächeln – ich konnte gar nicht anders. Alles in allem fühlte ich mich sehr zuhause im Sri-Chinmoy-Zentrum. Ich liebte das Singen, die Geschichten zu hören und auch die Erfahrungen der älteren Schüler von Sri Chinmoy, die sehr interessant waren. Was mich allerdings am meisten verblüffte, war, dass der Kursleiter ständig aus meinem Leben erzählte, was er doch schließlich überhaupt nicht wissen konnte! Waren diese Abende nur für mich? An jedem dieser Abende erhielt ich innere Antworten, Ratschläge. Aus heutiger Sicht gesehen, war er natürlich einfach ein Instrument, ein göttlicher Kanal. Als der Kurs langsam zu Ende ging, erklärte mir mein Verstand, dass diese Art zu leben nichts für mich sei. Niemals habe ich einen spirituellen Meister gesucht und schließlich habe ich mir mein Leben ganz anders vorgestellt. Daher entschied ich mich einen zweiten Kurs zu besuchen, denn ganz loslassen konnte ich es doch nicht.
Im zweiten Kurs erkannte ich jedoch relativ schnell, dass ich keinen dritten Kurs mehr besuchen könne. Mir wurde klar, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Was mir dabei ungemein half, war die Tatsache, es einfach ausprobieren zu dürfen. Die Freiheit zu haben, jederzeit wieder aussteigen zu können. Normalerweise mache ich Dinge nicht halbherzig, wenn ich mich für etwas entschieden habe, dann mache ich es auch mit ganzem Herzen, aber in diesem Fall war die Entscheidungsfreiheit absolut notwendig, obwohl ich genau wusste, dass ich sie nicht brauchen würde.
Als nun der Tag gekommen war, die Bewerbung für die Schülerschaft von Sri Chinmoy abzugeben, war ich mir nicht wirklich sicher, ob ich sie auch abgeben würde. Der Kursleiter erkannte das natürlich sofort und daher machten wir eine Meditation, wo wir quasi das Göttliche fragten, ob alles seinen korrekten Weg geht, alles so ist wie es sein soll. Er versicherte uns zu hundert Prozent, dass diese Antwort kommen würde, doch wir bräuchten auch die Geduld, denn solche Antworten würden manchmal etwas Zeit in Anspruch nehmen. Das wusste ich schon und hatte es auch selbst so erfahren, war aber trotzdem enttäuscht, dass die Antwort auf sich warten ließ. Der andere Kursleiter fragte, ob ich nur per Zufall hier gelandet sei. Aber an Zufälle glaubte ich schon lange nicht mehr – es gibt sie nämlich nicht. Das hatte mich ausreichend ermutigt, um meine Bewerbung abzugeben.
Am nächsten Morgen wachte ich um 5:30 Uhr auf – zu der Zeit war ich noch völliger Langschläfer und wäre um diese Uhrzeit nie von allein aufgewacht. Es war, als hätte jemand die Türen meines Herzens aufgerissen und ein Schwall von Energie floss herein. Mein Herz fühlte sofort: "Die Antwort von gestern abend!!! JA!!! Alles ist so wie es sein soll." Unbeschreibliche Freude und Glückseligkeit durchflutete mein ganzes Wesen. Kurz drauf meldete sich natürlich auch der Verstand zu Wort, stellte alles in Frage und zweifelte fürchterlich ..., aber mein Herz war zu dem Zeitpunkt Gott sein Dank viel stärker.
Diese Geschichte ist nun schon gute acht Jahre alt und ich bin extrem dankbar, dass ich diese goldene Gelegenheit erhalten habe, all diese Dinge zu erfahren, die seither geschehen sind und immer noch geschehen. Mein Leben hat sich komplett verändert, langsam und stetig. Es sind Dinge möglich geworden, von denen ich gedacht hatte, dass sie nie möglich sein würden. Ich habe schlechte Eigenschaften, Gewohnheiten, Themen und vieles mehr, hinter mir lassen dürfen, wo ich schon völlig die Hoffnung aufgegeben hatte, sie jemals los zu werden.
Der Weg von Sri Chinmoy ist das kostbarste Geschenk in meinem Leben. Jemand anders mag es völlig anders empfinden, aber schließlich führen alle Wege nach Rom.
Silke Aich, Wien
24.05.2009
